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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Psalm 78.

Gottes treue Führung des ungehorsamen und undankbaren Volks.

1 Ein Maskil Asaphs.
Vernimm, mein Volk, meine Unterweisung,
neigt euer Ohr den Worten meines Mundes!
2 Ich will meinen Mund zu Sprüchen aufthun,
will Rätsel aus der Vorzeit verkünden.
3 Was wir gehört und erfahren,
und was unsere Väter uns erzählt haben,
4 wollen wir ihren Kindern nicht verhehlen,
indem wir dem nachfolgenden Geschlechte die ruhmwürdigen Thaten Jahwes erzählen
und seine Macht und die Wunder, die er gethan hat.
5 Er stellte ein Zeugnis in Jakob auf
und gab eine Weisung in Israel,
indem er unseren Vätern gebot,
sie ihren Söhnen kundzuthun,
6 damit das nachkommende Geschlecht sie erführe, die Söhne, die geboren würden,
damit sie aufträten und ihren Söhnen davon erzählten,
7 damit sie auf Gott ihr Vertrauen setzten
und der großen Thaten Gottes nicht vergäßen
und seine Gebote hielten
8 und nicht wie ihre Väter würden,
ein abtrünniges und widerspenstiges Geschlecht,
ein Geschlecht, das nicht festes Sinnes war,
und dessen Geist nicht treulich an Gott hielt.
9 Die Söhne Ephraims, die Bogengerüsteten,
kehrten am Tage des Kampfes um.
10 Sie hielten den Bund Gottes nicht
und wollten nicht nach seinem Gesetze wandeln.
11 Sie vergaßen seine großen Thaten
und seine Wunder, die er sie hatte schauen lassen.
12 Vor ihren Vätern hatte er Wunder gethan
in Ägypten, im Gefilde von Zoan.
13 Er spaltete das Meer und ließ sie hindurchgehn
und stellte die Wasser auf wie einen Damm.
14 Er leitete sie tagsüber mit der Wolke,
die ganze Nacht hindurch mit feurigem Schein.
15 Er spaltete Felsen in der Wüste
und tränkte sie wie mit Fluten in Fülle.
16 Er ließ Bäche aus dem Felsen hervorgehn
und Wasser in Strömen herabfließen.
17 Dennoch sündigten sie weiter gegen ihn,
indem sie sich in der Wüste gegen den Höchsten empörten.
18 Sie versuchten Gott in ihrem Herzen,
indem sie Speise für ihr Gelüsten forderten.
19 Sie redeten wider Gott und sprachen:
"Kann wohl Gott in der Wüste einen Tisch anrichten?
20 "Wohl schlug er den Felsen, daß Wasser strömten,
und Bäche sich ergossen;
"vermag er wohl auch Brot zu geben
oder seinem Volke Fleisch zu verschaffen?"
21 Darum, als Jahwe das hörte, entrüstete er sich,
und Feuer entzündete sich wider Jakob,
und Zorn stieg herauf über Israel,
22 weil sie Gotte nicht glaubten
und auf seine Hilfe nicht vertrauten.
23 Und er gebot den Wolken droben
und öffnete die Thüren des Himmels,
24 ließ Manna auf sie regnen, daß sie zu essen hätten,
und verlieh ihnen Himmelskorn.
25 Engelbrot hatte jedermann zu essen;
er sandte ihnen Zehrung in Fülle.
26 Er ließ den Ostwind am Himmel aufbrechen
und führte durch seine Stärke den Südwind herbei.
27 Er ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub
und beflügelte Vögel wie Sand am Meer.
28 Mitten in sein Lager ließ er sie fallen,
rings um seine Wohnung her.
29 Da aßen sie und wurden gründlich satt,
und er befriedigte ihr Gelüst.
30 Noch hatten sie sich ihres Gelüstes nicht entschlagen -
sie hatten ihre Speise noch im Mund -
31 da stieg der Zorn Gottes über sie herauf
und würgte unter ihren Fetten
und streckte die Jünglinge Israels nieder.
32 Trotz alledem sündigten sie weiter
und glaubten nicht an seine Wunder.
33 Darum ließ er ihre Tage wie einen Hauch dahinschwinden
und ihre Jahre in bestürzender Schnelle.
34 Wenn er sie würgte, so fragten sie nach ihm
und wendeten sich zurück zu Gott
35 und gedachten daran, daß Gott ihr Fels
und Gott, der Höchste, ihr Erlöser sei.
36 Sie beschwatzten ihn mit ihrem Munde
und logen ihm mit ihrer Zunge;
37 aber ihr Sinn war ihm gegenüber nicht fest,
und sie hielten nicht treulich an seinem Bund,
38 während doch er barmherzig war, Schuld vergab und sie nicht vertilgte,
gar oft von seinem Zorn abließ
und nicht seinen ganzen Grimm aufbot.
39 Denn er gedachte daran, daß sie Fleisch seien,
ein Hauch, der dahinfährt und nicht wiederkommt.
40 Wie oft empörten sie sich gegen ihn in der Wüste,
betrübten sie ihn in der Einöde!
41 Immer wieder versuchten sie Gott
und kränkten den Heiligen Israels.
42 Sie gedachten nicht an seine gewaltige Hand,
an den Tag, da er sie vom Feinde befreit hatte,
43 da er seine Zeichen in Ägypten hinstellte
und seine Wunder im Gefilde von Zoan.
44 Denn er verwandelte ihre Ströme in Blut
und ihre Bäche, damit sie nicht trinken könnten.
45 Er sandte Hundsfliegen gegen sie, die fraßen sie,
und Frösche, die verderbten sie.
46 Er gab ihr Gewächs dem Ungeziefer preis
und was sie erarbeitet, der Heuschrecke.
47 Er erschlug ihre Weinstöcke mit Hagel
und ihre Maulbeerfeigenbäume mit Schloßen.
48 Er gab ihr Vieh dem Hagel preis
und ihre Herden den Blitzen.
49 Er entsandte wider sie die Glut seines Zorns,
Wut und Grimm und Drangsal,
eine Schar von Unglücksengeln.
50 Er ließ seinem Zorne freien Lauf,
entzog ihre Seele nicht dem Tod
und überlieferte ihr Leben der Pest.
51 Er schlug alle Erstgeburt in Ägypten,
die Erstlinge der Manneskraft in den Zelten Hams.
52 Und er ließ sein Volk ausziehen wie Schafe
und leitete sie in der Wüste wie eine Herde.
53 Er führte sie sicher, und sie brauchten sich nicht zu fürchten;
ihre Feinde aber bedeckte das Meer.
54 Er brachte sie in sein heiliges Gebiet,
zu dem Berge, den seine Rechte erworben hatte.
55 Er vertrieb vor ihnen Völker,
verloste ihr Land zum erblichen Besitz
und ließ in ihren Zelten die Stämme Israels wohnen.
56 Aber sie versuchten Gott, den Höchsten, und empörten sich gegen ihn
und hielten seine Gebote nicht.
57 Sie wandten sich ab und waren treulos wie ihre Väter,
wandelten sich, wie ein trügerischer Bogen.
58 Sie erzürnten ihn mit ihren Höhen
und erregten seinen Eifer durch ihre Bilder.
59 Da Gott das vernahm, entrüstete er sich
und verwarf Israel völlig.
60 Er gab die Wohnung zu Silo preis,
das Zelt, wo er unter den Menschen wohnte,
61 ließ seine Macht in die Gefangenschaft wandern
und seine Zier in die Gewalt des Feindes.
62 Er gab sein Volk dem Schwerte preis
und entrüstete sich über sein Besitztum.
63 Seine Jünglinge fraß das Feuer,
und seine Jungfrauen blieben ohne Hochzeitslied.
64 Seine Priester fielen durch das Schwert,
und seine Witwen hielten keine Totenklage.
65 Da erwachte der Herr wie ein Schlafender,
wie ein Held, der vom Weine besiegt ward.
66 Und er schlug seine Feinde zurück:
ewige Schmach brachte er über sie.
67 Und er verwarf das Zelt Josephs
und erwählte nicht den Stamm Ephraim,
68 sondern erwählte den Stamm Juda,
den Berg Zion, den er liebgewonnen.
69 Und er baute so fest wie die Himmelshöhen sein Heiligtum,
wie die Erde, die er für die Ewigkeit gegründet hat.
70 Er erwählte seinen Knecht David
und nahm ihn von den Schafhürden hinweg.
71 Von den säugenden Schafen holte er ihn weg,
daß er sein Volk Jakob weide
und Israel, sein Besitztum.
72 Und er weidete sie in Herzenseinfalt
und führte sie mit kluger Hand.